Mobbingfreie Schule

Mobbingfreie Schule – gemeinsam Klasse sein!

Unter diesem Motto absolvieren unsere Siebtklässler ein Präventionsprogramm und setzen ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Anfeindung und Mobbing.

Dieses landesweite Präventionsprogramm, das vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Kooperation mit der Techniker-Krankenkasse initiiert ist, hat sich zum Ziel gesetzt, die Schüler gezielt für dieses brisante Thema zu sensibilisieren. Frau Feucht-Schmelzle, die das Projekt federführend am WIGGY eingeführt hat, übernahm auch in diesem Jahr die Gesamtleitung, unterstützt durch speziell fortgebildete Kollegen und die jeweiligen Klassenlehrer-Teams.

Bereits der Einstieg in das Thema verdeutlicht mit eindrucksvollem Material, wie schnell aus Hänseleien und für harmlos angesehenen Provokationen eine aufgrund ihrer schwer zu kontrollierenden Eigendynamik furchtbare und gefährliche Situation werden kann. Die Veranschaulichung in der Gruppe und in Form eines Films löst bei den Jugendlichen tiefe Betroffenheit aus. „Dass man durch Mobbing ernsthaft krank werden kann bis hin zu so starken Depressionen, dass man als Opfer nicht mehr leben will, habe ich nicht gewusst“, stellt eine Schülerin erschüttert fest.

Die folgende Theorieeinheit empfinden die Schülerinnen und Schüler darum auch ganz und gar nicht als langweilig, denn hier lernt man, wie man mit schwierigen Situationen, die man vielleicht im Alltag schon selbst erlebt hat, besser umgehen kann. Dabei geht es nicht nur um Gewalt auf dem Schulhof und deren Prävention. Es geht insgesamt um das Rollenverhalten in einer Mobbing-Situation: Alle sind betroffen, denn es gibt nicht nur Täter und Opfer, sondern auch Dulder, die Mobbing zulassen, indem sie wegschauen und nicht helfend einschreiten und dadurch selbst zum (Mit-)Täter werden. Zum Teil unterstützt uns bei diesen Einheiten auch das Jugendhaus mit speziell ausgebildeten Kräften.

Aber es wird im Projektverlauf auch ganz praktisch: Mit Hilfe von Rollenspielen haben die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, sich in die jeweiligen Rollen hineinzuversetzen und diese an der eigenen Haut zu erleben. Es geht dabei um das eigene Erleben, aber auch um das Mit-Erleben, das mit anderen Mitfühlen, um Empathie und inneres Empfinden. Im engen Zusammenhang hierzu werden Gefühle und Empfindungen auch mit künstlerischen Mitteln erforscht: Unter Anleitung der Kunsterzieherin malen jeweils zwei Schüler gemeinsam ein Bild als Ausdruck von Gefühlen; dabei wird zu jedem genannten Gefühl das jeweils entsprechende Gegengefühl gesucht und dann vom Partner in der zweiten Bildhälfte in abstrakter Form mit Farben, Formen und Linien gespiegelt nach dem Muster: Liebe – Hass. Das Sich-Bewusstmachen von Emotionen und ihren Auswirkungen auf unser Handeln und auf andere, einfach ganz grundsätzlich das Wahrnehmen und Artikulieren von Gefühlen stellt einen grundlegenden Teilaspekt dar bei der Vermeidung von Gewalt und Mobbing.

Auch körperlichen Herausforderungen müssen sich die Schülerinnen und Schüler stellen. In der Sporthalle ist ein Parcours vorbereitet, der es in sich hat. Hindernisse müssen überwunden werden: Kästen, Reckstangen, ein Schwebebalken, ein Bereich mit zahlreichen kleinen, aber Furcht einflößenden Mausefallen, die zum Zuschnappen bereit auf bestrumpfte Zehenspitzen lauern! Hier weist ein „sehender Partner“ den sicheren Weg seinem durch verbundene Augen „blinden Partner“, indem er ihn zunächst dauernd an der Hand führt, dann aber nur noch durch Worte und vereinzelte Berührungen Orientierung geben darf. Später werden die Rollen getauscht. So bekommen die Schüler einen Eindruck davon, was es heißt, unsicher und orientierungslos zu sein, aber sie erleben vor allem auch, dass man Verantwortung für andere hat und sich aber auch seinerseits auf andere verlassen und ihnen vertrauen kann.

Am letzten Tag des Projekts führen die Schülerinnen und Schüler eine große Präsentationsveranstaltung vor, bei der sie zeigen, was sie im Projekt bewegt und gelernt haben. Das Interesse auf Seiten der Elternschaft war dieses Jahr ganz erfreulich groß und so bekamen die Schüler die Gelegenheit, vor einem interessierten Publikum praktische Übungen wie das Parcours-Laufen im Schulhof oder im Klassenraum durchzuführen, ihre gemalten Gefühlslandschaften vorzuzeigen oder selbst verfasste Theateraufführungen zu präsentieren. Manch ein neugieriger Besucher musste dann auch selbst an solchen praktischen Übungen teilnehmen. So werden alle erarbeiteten Ergebnisse noch einmal aufbereitet, spielerisch vorgeführt und so verinnerlicht.

Am Ende waren sich die Schüler einig: "Mobbing – das wollen wir nicht!" Doch auch die realistische Einschätzung spricht für sich: „Ganz so einfach, wie wir uns das jetzt vorstellen, ist es sicher nicht, aber ich werde auf jeden Fall künftig versuchen mehr zu helfen, auch wenn ich mich dadurch vielleicht gegen meine Freunde stellen muss“ stellt ein Schüler abschließend fest. Dabei geht es auch darum, die Nachhaltigkeit solcher Einsichten zu verstärken. Deshalb ist nach Ablauf einiger Wochen ein erneutes Eingehen auf die Inhalte des Projekts fester Bestandteil des Präventationsprogramms „Mobbingfreie Schule“ am WIGGY.

BB & KY

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