Bericht aus Hamburg: Frau Dr. Dörfner erhält Helmholtz-Lehrer-Preis

„Im Rahmen meines Helmholtz-Lehrer-Preises bin ich nach Hamburg zum DESY-Forschungszentrum gereist. Heute bin ich 2,5 km durch die neue XFEL (Röntgen – Freie Elektronen – Laser) Röhre gelaufen habe beeindruckende Sechs-Pol-Magnete gesehen, die den Elektronenstrahl schön in der Mitte der Röhre halten. Im Undulator werden die auf fast Lichtgeschwindigkeit beschleunigten Elektronen-Pakete durch Permanentmagnete auf „Wellenbahnen“ gelenkt. Dadurch wird Röntgenstrahlung ausgestrahlt, die sich aufgrund eines relativistischen Effekts in die gleiche Richtung bewegt, wie die Elektronen. Die Elektronen „setzen“ sich also auf die ausgestrahlte Röntgenstrahlung dadurch koppelt die neu ausgestrahlte Röntgenstrahlung so geschickt an die schon vorhandene an, dass alle Photonen im „Gleichtakt“ schwingen. Danach wird die Röntgenstrahlung von den Elektronen getrennt, die Elektronen werden vernichtet und die Röntgenstrahlung wird auf die Proben gelenkt, deren Atomstruktur man besser verstehen möchte. Da geht einer Physikerin doch das Herz auf …heute habe ich erfahren, dass hier durch gekoppelte Undulatoren zirkular polarisiertes Röntgen-Laser-Licht hergestellt wird. Damit kann man den Drehimpuls (Spin) der Elektronen eines Atoms beobachten… COOL!!!

Der HERA-Speicherring bei DESY ist der einzige Beschleuniger weltweit, in dem zwei unterschiedliche Teilchensorten getrennt beschleunigt und zum Zusammenstoß gebracht werden. Bis 2007 war er in Betrieb. An meinem vierten Tag bei DESY habe ich ihn besucht und konnte einen Kontrast von futuristisch wirkenden Kalorimetern und Endzeitstimmung erleben. Der Bleiglasblock des Kalorimeters, der schnelle Teilchen abbremst, damit sie vom Messinstrument aufgefangen werden können, ist, obwohl er nicht größer als eine Milchtüte ist, so schwer, dass man ihn kaum hochheben kann. Der HERA-Tunnel hingegen wirkt so, als ob er ein großes Ersatzteillager wäre. Ich habe heute gelernt, dass im HERA-Tunnel mit den Elektronen Fußball gespielt wurde: Mit den beiden Kicker2 und Kicker3 genannten Geräten wurden Elektronen, die sich mit fast Lichtgeschwindigkeit bewegten, zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Stelle des Speicherrings „gekickt“: Quantenphysik für Fußballprofis!“

 

Im Rahmen der MNU-Fachtagung MINT-Unterricht für Junglehrkräfte des MNU Landesverbandes Nordrhein wurde der Helmholtz-Lehrerpreis 2016 verliehen. Mit dieser Auszeichnung werden herausragend engagierte neue Mitglieder im Jugend forscht Projektbetreuernetzwerk geehrt.

Die Veranstaltung startete mit dem Plenarvortrag von Prof. Dr Heiko Krabbe, Ruhruniversität Bochum, zum Thema „Konzepte für einen sprachfördernden Unterricht im MINT-Bereich“. Er verdeutlichte die Rolle des Sprachbewusstseins im MINT-Unterricht anhand der Analyse von frequenten Sprachhandlungen und stellte Beispiele des produktiven Umgangs mit Sprache durch ein Schreibtraining im MINT-Bereich vor.

Anschließend überreichten Dr. Sven Baszio, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Jugend forscht e. V., Frau Martina Carnott, Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V. und Robert Stephani, MNU, als Laudatoren die Urkunden an die anwesenden Preisträgerinnen und Preisträger:

  • Dr. Tanja Dörfner, Wirtemberg-Gymnasium Stuttgart
  • Dr. Daniela Efler-Mikat, Hebbelschule Kiel
  • Martina Hollstein, G.-E.-Lessing-Gymnasium Hohenstein-Ernsttal
  • Stefan Klocke, Käthe-Kollwitz-Realschule Aldenhoven
  • Gerd Mehler, Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasium Nordhausen
  • Dr. Stefan Purkl, Elisabethschule Marburg
  • Anke Schnibbe, Oberschule am Waller Ring Bremen
  • Oliver Schultz, SchuleEins Berlin
  • Dr. Natalie Zerulla, Norbert-Gymnasium Knechtsteden Dormagen

Den Helmholtz-Lehrerpreis 2016 erhalten auch:

  • Dr. Silke Wrieden-Buerfeind, SZ Geschwister-Scholl (GyO) Bremen)
  • Christine Bethke, Humboldt-Schule Kiel

In den Laudationes wurden die Helmholtz-Preisträger als Lehrerpersönlichkeiten gewürdigt, die trotz der Schulrealität mit Vertretungsstunden, Sonderaufgaben, organisatorischer Mehrbelastung ihren Unterricht, ihre Jugend-forscht-Aktivitäten und ihre Vernetzung innerhalb der Schule, in Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Forschung und Technik mit Engagement gestalten.

Im Schulalltag die Faszination, die Spannung und den Reiz von MINT-Fächern zu vermitteln, verlangt Lehrkräften viel ab. Nur mit großer Kraft, besonderem Einsatz und authentischem Enthusiasmus kann es gelingen, die MINT-Talente unter den Schülerinnen und Schülern zu aktivieren. In deutschen Klassenzimmern verfügen wir über einen enormen Schatz, den es zu heben gilt. Begeisterung ist ein gutes Mittel, denn es steckt an. Die Helmholtz-Preisträgerinnen und -Preisträger motivieren mit ihrem Unterrichtskonzept und mit ihren Initiativen die Schüler zum Forschen, sie sind Begeisterte, die ihre Schüler nachhaltig zu begeistern verstehen und so die Forscher von morgen coachen.

Die Verleihung des Helmholtz-Lehrer-Preises bei einer solchen MNU-Junglehrer-Veranstaltung zielt darauf ab, den Junglehrkräften erfolgreiche Projektbetreuende vorzustellen und die Möglichkeit eines direkten Austauschs zu ermöglichen. An den nachfolgenden 12 Workshops und 4 Vorträgen der MNU-Junglehrertagung konnten sich auch die Preisträger beteiligen.

Der Preis besteht aus einer Einladung zum Jugend forscht Bundeswettbewerb, vor allem aber in einem Forschungsaufenthalt bei einer (außer-) universitären Forschungseinrichtung nach Wahl der Preisträger. Die Finanzierung erfolgt durch die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V..

Das könnte dich auch interessieren...