Rachel Dror liest im Rahmen des Religions- und Ethikunterrichts vor den 9.Klassen des Wirtemberg-Gymnasiums

Vermittelt durch einen Kontakt zwischen Frau Jordan und Zeina Matar, der Mutter eines ehemaligen Schülers, besuchte Rachel Dror die Schülerinnen und Schüler der 9.Klassen. Die rüstige 95-Jährige besuchte unsere Schule in Begleitung Frau Matars am vergangenen Freitag, den 24. Juni 2016, während der 3./4. Stunde, in der gewöhnlich Religions- bzw. Ethikunterricht ist. Die Lesung mit anschließendem Gespräch fand im Atrium statt, wo Frau Dror die Geschichte ihres Lebens und damit auch die der europäischen Juden erzählte.

Rachel Dror wurde 1921 in Königsberg geboren. Dort aufgewachsen musste sie sich als junges Mädchen nach der Machtergreifung damit abfinden, ihre Freunde nicht mehr sehen zu dürfen. Doch dies war erst der Anfang vieler Einschränkungen und Repressalien, wie sie den Schülern eindrucksvoll erzählte. Nach dem Umzug der Familie nach Hamburg machte sie dort eine Ausbildung. In der Kristallnacht im November 1938, als sie nach Hause kam und sah, dass ihre Familie keinen Stuhl, kein Geschirr, wirklich nichts mehr hatte, entschied sie sich, nach Palästina auszuwandern. Die jüngste Schwester ihres Vaters war schon 1913 dorthin ausgewandert, zu ihr wollte sie gehen. Im April 1939 kam sie so über Italien mit dem letzten Schiff nach Palästina. Die Tante hat die Reise für sie bezahlt, denn sie selbst hätte das nicht leisten können.

Die Eltern mussten in Italien bleiben, sie hatten kein Geld für die Überfahrt. Nach dem Einmarsch der Deutschen lebten sie dort versteckt, bis man sie 1944 gefunden und nach Auschwitz gebracht hat. Dort wurde die Mutter als nicht arbeitsfähig der Gruppe zugeteilt, die sofort in den Ofen kam. Der Vater, den Arbeitsfähigen zugeordnet, entschied sich, seine Frau zu begleiten, sodass beide vergast wurden. Von dieser Geschichte, die neben all dem Grauen auch Beweis der großen Liebe ihrer Eltern ist, hat Frau Dror erst Anfang der 50er Jahre zufällig erfahren. Sie lief auf der Straße in Tel Aviv, als eine Frau, die ihre Eltern gekannt hatte, Rachel Dror aufgrund der Ähnlichkeit zu ihren Vater, von dem sie in der Lesung ein Bild zeigt, ansprach.

Von ihrem Vater habe sie beigebracht bekommen, immer die Wahrheit zu sagen, berichtete die Zeitzeugin. Im Laufe ihres Lebens habe sie sich zudem angewöhnt, stets offen zu äußern, was sie denke, so Frau Dror. Die in Stuttgart lebende jüdische Zeitzeugin macht im Anschluss an ihre Geschichte und die ihrer Familie deutlich, wie wichtig es sei, mit anderen Menschen egal welchen Glaubens, welcher Nationalität oder Hautfarbe zu reden. Dies zu vermitteln, sei ihr Anliegen und die Motivation, mit der sie in Schulen gehe und vor anderen spreche.

Dass sie dies noch möglichst lange machen kann, wünschen wir ihr von Herzen mit herzlichem Dank für diesen eindrucksvollen Besuch.

 

JO

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